Autor Rolf Finkbeiner von wahrheiten.org - Kolumne Wohin mit all den vielen neuen Karren?

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Rolf Finkbeiner Berichte & Kolumnen vom 24.12.2009

Quelle: Auszug aus Artikel von "wahrheiten.org"

 
Wohin mit all den vielen neuen Karren?
Saab stirbt, schlimme Aussichten beim Export, Schrumpfkur und Vorzeichen eines grausamen Jahres lauten die aktuellen Schlagzeilen zum Thema Auto.

Was im kommenden Jahr auf diese Branche zukommen wird, spottet jeder Beschreibung. Wenn die Medien bereits jetzt so laut schreien, was kommt dann in Wahrheit auf uns zugerollt?

Hat sie nun doch nicht den gewünschten Erfolg gebracht, die tolle Abwrackprämie? Sogar Wort des Jahres 2009 wurde der seltsame Begriff. Dabei hatte diese – aus der Nazizeit stammende – Idee doch wunderbar unsere Regierung über die letzte Wahl hinweggerettet – ein Erfolgmodell? In RP-Online wurde am 20.04.2009 berichtet:

Schon Hitler setzte auf Abwrackprämie

(RP) In Zeiten der Krise die lahmende Wirtschaft anzukurbeln, indem die Bürger für Neuanschaffungen vom Staat finanziell belohnt werden – das ist in Deutschland schon vor 76 Jahren versucht worden. Und auch damals ging es zunächst um die darbende Automobilindustrie.

Wie damals auch war diese Aktion nichts anderes als ein Strohfeuer. Jeder, der sich konkret oder mittelfristig mit dem Gedanken befasste, sich einen neuen Wagen zuzulegen, um seine alte Mühle loszuwerden, der nutzte die scheinbar günstige Gelegenheit, um die 2.500 Euro Sonderbonus mitzunehmen.

Dabei ist es doch schon mittels einfachem Preisvergleich möglich, diesen Betrag – selbst bei Kleinwagen – rauszuholen. Wer noch dazu gut verhandeln kann, der bekommt sogar glatt das Doppelte an Rabatt. Insofern, die Abwrackprämie war nichts anderes als Augenwischerei, um von den großen Problemen abzulenken, welche auf die Autoindustrie in Kürze zukommen werden.

Wir reden hier von katastrophalen Auswirkungen. Daher handelt es sich bei der Schließung von Saab auch nur um einen kleinen “Appetithappen”. Das schwedische Unternehmen brachte es auf 72 Jahre. Dazu die Zeit am 18.12.2009:

General Motors gibt Saab auf

Der schwedische Hersteller schließt endgültig: Er stellt die Geschäfte ein und kündigt den 3400 Mitarbeitern. Der Teil-Verkauf an den chinesischen Konzern Baic aber gilt.

Wo es langgehen wird, zeichnet die Welt am 21.12.2009 auf:

2010 wird ein grausames Jahr für die Autoindustrie

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer erwartet ein katastrophales Jahr für die Autoindustrie. Er rechnet damit, dass bis zu 4000 Händler aufgeben müssen und befürchtet einen Verkaufsrückgang von bis zu 50 Prozent.

Grund für den scharfen Rückgang sind die guten Geschäfte im Jahr 2009, wo mit Hilfe der Abwrackprämie Hunderttausende Fahrzeuge zusätzlich verkauft werden konnten. Besonders Hersteller von kleinen, günstigen Autos konnten davon profitieren. Entsprechend groß dürften der Prognose zufolge die Einbrüche ausfallen.

Natürlich ist das vorgezogene Geschäft von 2009 nicht der einzige Grund für den kommenden Einbruch. Die gesamte Wirtschaft fährt momentan gegen die Wand, insbesondere die Autohersteller sind davon betroffen. Lassen Sie sich einmal diese Zahlen auf der Zunge zergehen: 50% Verkaufsrückgang. Meinen Sie, wir können der Welt glauben oder wird es in Wahrheit noch einen viel schlimmeren Einbruch geben?

Es gibt natürlich wie überall auch unbeirrbare Optimisten. Die Rundschau-Online schrieb am 20.12.2009:

Der Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes in Bonn will in die Rufe der Warner allerdings nicht einstimmen. Die Zahl der Insolvenzen sei in den vergangenen Jahren stabil gewesen, sagt Sprecher Ulrich Köster. Auch in diesem Jahr sehe es nicht nach einem Ausreißer aus. Für 2010 sei zwar noch keine Prognose möglich, bei den Neuzulassungen verspreche es nach dem guten Jahr 2009 aber zumindest ein solides Jahr zu werden. „Wir gehen davon aus, dass wir uns auf einem normalen Niveau bewegen werden.“

Die gehen also davon aus, dass 2010 “ein solides Jahr” wird. Das nennt sich doch mal eine ordentliche Strategie, einfach die Fakten zu ignorieren und von etwas Unwirklichem auszugehen. Na dann viel Spaß beim Ausgehen. Vermutlich werden diese Damen und Herren ab 2010 viel Zeit für ihren großartigen Optimismus haben.

Auch im Spiegel sprachen die Warner bereits am 02.12.2009 von einer “radikalen Schrumpfkur”:

Eine Million Pkw weniger Deutsche Autoindustrie fürchtet radikale Schrumpfkur

In diesem Jahr sind es 3,7 Millionen Pkw, im kommenden Jahr dürften es nur noch 2,7 Millionen sein: Die deutsche Autoindustrie warnt vor einem dramatischen Absatzeinbruch.

[...]

Im Vergleich zum laufenden Jahr ist der Absturz besonders schmerzhaft. Denn dank Abwrackprämie rechnen die Hersteller 2009 mit einem Absatz von 3,7 bis 3,8 Millionen Fahrzeugen. Mit anderen Worten: Das Minus zwischen 2009 und 2010 wird rund eine Million Pkw betragen.

Wer rechnen kann, der erkennt, wir sprechen hier von 25% weniger Autos. Und das ist nur deswegen ein so moderater Rückgang, weil die Konzerne auf das Auslandsgeschäft hoffen. Nun frage ich mich, welches Ausland die wohl meinen. Vielleicht das Geschäft mit Außerirdischen? Sieht es denn im Ausland mit der wirschaftlichen Lage so viel besser aus als bei uns? Wer sich nur ein bisschen auskennt weiß, dass wir hier in der BRD sogar noch relativ gut dastehen im Vergleich zum Rest der westlichen Welt.

In einem Artikel vom 14.12.2009 berichtete der Spiegel in einem Interview mit dem Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, von “beängstigenden Aussichten”:

Ich erwarte mehr Arbeitslose, im Schnitt 4,1 bis 4,2 Millionen. Das ist besser als lange gedacht – aber einige Branchen wird es hart treffen. Im Handwerk und in der Bauwirtschaft sieht es recht gut aus, beim Export dagegen schlimm. Und damit ausgerechnet bei unseren Hightech-Firmen, im Maschinenbau oder in der Autoindustrie. Dort sind derzeit Hunderttausende Mitarbeiter auf Kurzarbeit gesetzt, das wird auf Dauer nicht durchzuhalten sein…

Kurzarbeit ist schließlich nur als Übergangslösung gedacht gewesen und nicht als grundlegendes Beschäftigungsmodell. Doch wir dürfen gespannt sein, was sich unsere grandiose Regierung dazu noch einfallen lassen wird – außer dem Gelddrucken, was sie offenbar in großem Stil in die Wege geleitet haben.

Selbst die Firma Swatch zieht sich aus dem Geschäft mit der Autoindustrie zurück und glaubt, mit Uhren besser überleben zu können. In der Swiss-Press stand am 21.12.2009:

Swatch Group: Verkauf der Microcomponents Automobil-Aktivitäten an Juken Technology

Die Swatch Group AG mit Sitz in Biel/Bienne (Schweiz) und die Firma Juken Technology mit Sitz in Singapur unterzeichneten den Vertrag für den Verkauf der Schrittmotorenherstellung für die Autoindustrie der Firma Microcomponents AG an die Firma Juken Technology. Die Übertragung der Assets wird bis Ende Februar 2010 erfolgen.

Bei der Zeit konnten wir am 20.12.2009 lesen, dass Daimler das Jahr 2010 ohne Kurzarbeit beginnen wird:

Größtes Daimler-Pkw-Werk von 2010 an ohne Kurzarbeit

Sindelfingen (dpa) – Daimler stoppt wegen der anziehenden Nachfrage nach Luxuslimousinen die Kurzarbeit in seinem größten Pkw-Werk. «Wir gehen in Sindelfingen ohne Kurzarbeit ins nächste Jahr», sagte Daimler-Betriebsratschef Erich Klemm in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Soso, anziehende Nachfrage nach Luxusautos. Da würde mich doch wirklich interessieren, woher diese Nachfrage kommt. Eine unglaubliche Fata Morgana. Und es geht noch weiter im selben Artikel:

Die Jobs der Daimler-Beschäftigten seien aber in den nächsten beiden Jahren grundsätzlich sicher. «Bis Ende 2011 gibt es eine hohe Sicherheit für die Mitarbeiter im gesamten Unternehmen durch die bestehende Beschäftigungssicherungsvereinbarung», sagte Klemm. «Das ist eine solide Basis, auf die wir uns stützen können. Ich bin mir sehr sicher, dass die Vereinbarung, auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten, hält.»

Betriebsratschef Erich Klemm spricht von hoher Sicherheit und lässt die armen Mitarbeiter im falschen Glauben. Er muss das tun, denn sonst würde er seinen eigenen Job gefährden und das will er ganz bestimmt nicht. Mal sehen, was passiert, wenn seine Genossen die bittere Wahrheit zu spüren bekommen.

Machen Sie sich eines klar: Wenn schon in den Medien in solch dunklen Farbtönen über die Automobilbranche berichtet wird, dann ist es in Wahrheit noch viel, viel schlimmer. Ich hoffe, Sie sind weder direkt noch indirekt in dieser Branche beschäftigt, denn die Gefahr besteht, ab 2010 viel unbezahlte Freizeit zu bekommen.
 
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