Autor Rolf Finkbeiner von wahrheiten.org - Kolumne Steht die Krise vor einem Wendepunkt?

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Rolf Finkbeiner Berichte & Kolumnen vom 14.01.2010

Quelle: Auszug aus Artikel von "wahrheiten.org"

 
Steht die Krise vor einem Wendepunkt?
In den Medien wird zur Zeit von Verschlimmerung der Krise bis hin zum Aufschwung alles geboten. Nachdem jüngst die Zahlen von 2009 veröffentlicht wurden, spricht man von Rekordverlusten der Wirtschaftsleistung.

Doch sind wir wirklich schon durch das Tal hindurch? Kann sich die Situation wie aus dem Nichts überhaupt verbessern? Was werden wir erst hören, wenn die Achterbahnfahrt in den Abgrund so richtig beginnt?

Die derzeitige Bandbreite an Meinungen über die Krise könnte kaum größer sein. Am einen Ende ist davon die Rede, man habe die Krise bereits überwunden, doch genau gegenüber am anderen Ende werden die allerdunkelsten Szenarien diskutiert. Dürfen wir uns nun heraussuchen, auf welcher Seite wir stehen wollen? Genügt es, die Krise einfach kleinzureden?

Die Deutsche Welle informierte am 12.01.2010 über die Firma Airbus:

Trotz der Luftfahrtkrise konnte Airbus den Produktionsrekord von 483 Flugzeugen in 2008 nochmals um 15 Maschinen übertreffen. Davon kamen elf aus dem neuen Werk in China. “Das Krisenjahr 2009 war ein Erfolgsjahr für uns”, sagte Enders. Allerdings konnte Airbus den Mutterkonzern EADS nicht vor einem unerwartet starken Umsatzeinbruch von 43,3 auf 41,7 Milliarden Euro bewahren. Gallois sagte, der Rückgang sei vor allem auf die Dollar-Schwäche zurückzuführen.

So schlecht kann die Lage also nicht sein. Dennoch, verkaufte Flieger bedeuten nicht zwingend, dass sich die Kisten hinterher auch in der Luft befinden. Am 13.01.2010 berichtete der Focus:

Blue Wings stellt Betrieb ein

Die deutsche Fluggesellschaft Blue Wings steckt tief in der Krise: Das Unternehmen bleibt wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten vorerst am Boden.

Die Handwerker in Schleswig-Holstein dagegen spüren die Krise nicht mehr. Das Hamburger Abendblatt titelte am 13.01.2010:

Handwerker jubeln: “Die Krise ist nicht mehr zu spüren”

Auch in der Gehirnwäscherei, sprich der Fernsehbranche, läuft es teilweise sehr gut. Digital Fernsehen dazu am 13.01.2010:

Trotz Krise immer mehr Fernsehkanäle in Europa

Straßburg – Trotz der weltweiten Finanzkrise boomt der Fernsehmarkt in Europa. Das geht aus einer Studie der Europäischen Union hervor.

Fragt sich nur, wer die ständig wachsende Menge an Müll überhaupt anschaut? Wahrscheinlich die arbeitslosen Männer, während ihre Damen Parfüm einkaufen. Laut derStandard vom 13.01.2010 hat nämlich Douglas nur wenig Probleme:

Douglas wächst auch in der Krise

Parfüm-, Schmuck- und Buchhandelskette auch für 2010 optimistisch – Probleme in Spanien und Portugal

[...]

Dagegen musste der Konzern im Ausland zuletzt leichte Umsatzeinbußen hinnehmen. Vor allem in Spanien und Portugal, aber auch im Baltikum und in Ungarn traf die Krise die Douglas-Gruppe mit voller Wucht. Das Unternehmen will deshalb rund 50 seiner ausländischen Parfümerien schließen, bei denen es auch mittelfristig keine Perspektiven sieht.

Wenn man den Aufschwunglügen der Politik und der Wirtschafts-”Experten” glaubt, dann kommt man eben zu dem Schluss, dass Parfüm weiterhin sehr gefragt sein wird. Warten Sie mal, diese Fehleinschätzung wird denen noch gewaltig stinken.

Neue Chancen zu wittern anstatt Lehren aus den eigenen Fehlern zu ziehen, das können nur Finanzinstitute. Im österreichischen Kurier stand am 13.01.2010:

Krise treibt Fusionen von Banken an

Geringere Profite wegen schwachen Wachstums könnten den Bankmarkt in Österreich aufmischen. Die Erste Bank gibt ihr Marktführerziel nicht auf.

Geboren zum Abzocken – da kommt wirklich jede Hilfe zu spät. Wenig kapiert hat auch das Manager Magazin, welches am 13.01.2010 “die Rezession des Jahres 2009 zu einem historischen Ereignis” deklariert:

Krise hoch drei

[...]

Die Bundesrepublik hat den schwersten Crash ihrer Geschichte hinter sich. Deutschlands Wirtschaftsleistung rutschte im Vorjahr um sage und schreibe 5 Prozent verglichen mit dem Jahr 2008 ins Minus. Das ist viel. Viel mehr sogar, als ältere Generationen nach dem Zweiten Weltkrieg je aushalten mussten. Zum Vergleich: Nach der Ölkrise, dem bisher schlimmsten wirtschaftlichen Einbruch vor nahezu einem Vierteljahrhundert, rutschte Deutschlands Bruttoinlandsprodukt gerade einmal um 0,9 Prozent in den roten Bereich.

“Gut, dass dies nun überstanden ist.” Dieser Satz fehlt noch am Ende des Artikels, denn der Autor scheint wirklich überzeugt zu sein, dass 2009 in Sachen Krise nicht mehr getoppt werden kann. Was ein Spaßvogel.

“Der Buchmarkt trotzt der Krise” erklärte die CDU am 13.01.2010. Bücher haben den Vorteil, dass sie im Grunde kein Luxusgut und zudem günstig sind, sowie auch in Krisenzeiten durchaus viel Hilfe bieten können. Daher verwundert dieser Trend auch nicht wirklich.

Ganz anders bei den Luxusgütern, wozu auch die Möbelindustrie gehört. In der Epoch Times klagten die Hersteller am 13.01.2010 über hohen Umsatzrückgang:

Möbelindustrie hofft nach Umsatzeinbruch auf Ende der Krise

[...]

Nach einem massiven Umsatzeinbruch 2009 erwartet die deutsche Möbelindustrie ein rasches Ende der Krise. „Ingesamt hoffen wir auf eine Beendigung der Krise im Jahr 2010 und sehen die Branche danach auf ihren alten Wachstumspfad zurückkehren“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie, Dirk-Uwe Klaas, am Mittwoch in Köln. Im vergangenen Jahr brach der Umsatz der Branche um rund 10 Prozent auf 18,3 Milliarden Euro ein. Damit sei die Möbelindustrie auf das Niveau von 2006 zurückgeworfen worden, sagte Klaas.

Hoffen darf man natürlich. Gruseln tun sich dagegen die Großstädte, wie am 13.01.2010 in der FAZ zu lesen war:

Haushalt als Horrorliteratur

Es muss schlimm stehen um die Finanzen der Stadt – und zwar um die der Stadt München. Sonst hätte der Kämmerer dort, ein vorsichtiger, zurückhaltender Mann namens Ernst Wolowicz, kaum von „gehobener Horrorliteratur“ gesprochen, als er kürzlich die Finanzplanung bis zum Jahr 2013 vorstellte. Der SPD-Politiker empfahl seinen Kollegen im Stadtrat, sich das Zahlenwerk an langen Winterabenden zu Gemüte zu führen, aber nur, „wenn Sie sich mal wirklich gruseln wollen“.

Städten und Gemeinden geht es gleichermaßen schlecht, aber sie sind damit nicht allein. Wenn nicht mehr groß investiert wird, werden z.B. auch weniger Schrauben gekauft. Die Würth-Gruppe verlor 2009 beträchtlich an Umsatz, wie die Welt am 13.01.2010 berichtete:

Der Handelskonzern Würth hat 2009 vor allem durch ein schlechtes Auslandsgeschäft beim Umsatz und Gewinn deutliche Einbußen hinnehmen müssen. Allerdings hätten sich die Auftragseingänge mit einer Tendenz zum Wachstum wieder stabilisiert, berichtete der Spezialist für Befestigungs- und Montagematerial (“Schrauben-Würth”) am Dienstag am Stammsitz im baden-württembergischen Künzelsau.

Auch hier glaubt bzw. hofft man auf weiteren Aufschwung. Viel Glück beim Hoffen.

In der Märkischen Allgemeinen wurde am 13.01.2010 auf eine ganz andere Problematik aufmerksam gemacht:

BMF: Subventionen als Folge der Krise stark gestiegen

Die Subventionen des Bundes sind im Jahr 2009 als Folge der Wirtschafts- und Finanzkrise deutlich gestiegen. Wie aus dem 22. Subventionsbericht der Bundesregierung hervorgeht, den das Bundeskabinett am Mittwoch beschlossen hat, erhöhten sich die Subventionen 2009 um gut 6 Mrd EUR auf 29,5 Mrd EUR, nachdem sie 2008 moderat zurückgegangen waren. Dieser Anstieg sei im Wesentlichen auf die notwendigen Maßnahmen zur Krisenbekämpfung zurückzuführen, hieß es aus dem Bundesfinanzministerium (BMF) dazu. Im Jahr 2010 werde das Volumen wieder deutlich auf 24,4 Mrd EUR fallen, teilte das BMF mit.

Sowas geht nicht lange gut. Subentionierung auf Dauer ist der größte Unsinn überhaupt. Was sich nicht irgendwann von selbst trägt, muss man sein lassen. Kein Unternehmer würde bzw. kann sich so ein Vorgehen leisten. Der Staat dagegen wirft einfach mit unserem Geld um sich.

Wohin die Krise noch führen wird, erzählte uns Ministerin von der Leyarbeiter am 13.01.2010 im Spiegel:

Krise kostet 300.000 Leiharbeiter den Job

Die Wirtschaftskrise trifft Leiharbeiter besonders hart. Laut Bundesregierung haben 300.000 Personen ihren Job verloren. Arbeitsministerin von der Leyen lobte das Instrument dennoch: Mit Hilfe der Zeitarbeit könnten Unternehmen flexibel auf Auftragsflauten reagieren.

Sie weiß ganz genau, dass damit noch lange nicht Schluss ist. Die Kurzarbeit ist weder vorbei noch ist dies eine Lösung auf Dauer. Daher dürfen wir gespannt sein, welche dunklen Wolken dieses Jahr noch über den Arbeitsmarkt ziehen werden.

Krisensituationen führen zwar einerseits dazu, dass viele Menschen wieder näher zusammenrücken, aber es geschieht auch das Gegenteil. Manager fürchten um ihren Oberklasseluxus und scheinen dafür einiges zu riskieren. Die Finanznachrichten dazu am 13.01.2010:

Wirtschaftskriminalität unter Managern nimmt zu

Es scheint ja nach der Faustformel zuzugehen: Je härter die Wirtschaftskrise zuschlägt, desto krimineller wird das Verhalten von Topmanagern in den Teppichetagen der Unternehmen. Zumindest wird dieser Eindruck in einer aktuellen Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG geweckt. Der Druck auf die Manager, auch in der Krise einigermaßen vernünftige Zahlen zu liefern, ließe die Wirtschaftskriminalität zu einem ernsthaften Problem anwachsen. So haben es derzeit zumindest 80 % der in der Studie befragten Unternehmen verlauten lassen.

Diese Typen sollten ihrer eigenen Belegschaft ausgeliefert werden, damit diese sich nach französischer Manier herzlich und persönlich bei ihnen “bedanken” können. Warten wirs ab, so ähnlich werden sich die Dinge noch ereignen, denn wenn der nächste Aufschwung Richtung Süden beginnt, dann wirds erst richtig ernst.

Glauben Sie den Medien und ihren Wirtschafts-”Experten” besser nicht. Entweder sie schätzen die Lage unwissentlich völlig falsch ein oder aber sie lügen absichtlich. Die Realität können sie damit jedoch nicht aufhalten.

Wer verstanden hat, wie unser Geld- und Finanzsystem funktioniert, der weiß ganz genau, dass wir nicht mehr wählen können zwischen Aufschwung oder Absturz, sondern lediglich noch die Geschwindigkeit des weiteren Zusammenbruchs unbekannt ist.
 
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